DER ZWEITE GEDANKE

Fotoprojekt über den Moment zwischen Reflex und Abwägung im politischen Gespräch

Oder: Wie fotografiert man eigentlich Demokratie?

 

Der zweite Gedanke hat einen Preis.

  • Er kostet Energie — das Aushalten von Komplexität, die sich nicht auflöst.
  • Er kostet Identität — wer innehält verliert kurz den Boden unter den Füßen, der ihn trägt.
  • Er kostet Schutz — die Mauer, die vor Zumutungen bewahrt hat.
  • Und er kostet Kontrolle — über das Bild, das man von sich und der Welt hat.

Das ist kein kleiner Preis. Viele zahlen ihn nicht.

Nicht aus Schwäche. Sondern weil sie ahnen, was er kostet — und weil selten sichtbar ist, was er bringt.

Was er bringt: Begegnung. Mit anderen — im Moment, in dem zwei Menschen wirklich im selben Raum sind,

nicht nebeneinander mit ihren Positionen, sondern miteinander mit ihrer Unsicherheit. Und mit sich selbst — der Moment, in dem jemand sich nicht mehr nur kennt, sondern sich trifft.

Und noch etwas: eine Form von Wahrheit. Nicht als Absolutheit. Sondern als Kontakt mit dem, was gerade da ist.

Wer den zweiten Gedanken nicht zulässt, bleibt eher in dem Bild, das er sich von der Welt gemacht hat —

stabil, erklärbar, kontrollierbar.

Der zweite Gedanke ist der Moment, in dem Wirklichkeit kurz größer werden kann als dieses Bild.

Das ist Gewinn und Preis zugleich.

Die Krise der Demokratie ist eine Krise unseres inneren Zustands.

Demokratie scheitert selten an Meinungen.

Sie scheitert daran, dass Menschen aufhören innezuhalten.

Mein Fotoprojekt untersucht genau diesen Moment.

Den Moment zwischen Reflex und Abwägung.

Den Moment, in dem aus einem ersten Impuls vielleicht ein zweiter Gedanke wird.

 

Worum es im Projekt geht

Politische Gespräche kippen heute oft erstaunlich schnell.

Ein Satz fällt. Jemand widerspricht. Und wenige Minuten später sprechen Menschen nicht mehr miteinander, sondern übereinander.

  • Mich interessiert der Moment davor.
  • Der Moment, in dem ein Mensch innehält.
  • Der Moment zwischen Reflex und Entscheidung.
  • Ich nenne diesen Moment Wahlfähigkeit.

Warum ich dieses Projekt gestartet habe

In den vergangenen Jahren habe ich viele politische Gespräche geführt – in sehr unterschiedlichen Kontexten und mit sehr unterschiedlichen Menschen.

Dabei hat mich zunehmend weniger interessiert, wer recht hat.

Mich interessiert, was im Menschen geschieht, wenn Gesprächsspannung entsteht.

Wann verengt sich ein Gespräch? Wann kippt es in Alarm oder Abwehr? Und wann gelingt es, wieder in einen Zustand von Abwägung und Offenheit zu kommen?

Ich bin überzeugt: Demokratie entscheidet sich nicht nur in Institutionen. Sie entscheidet sich auch im inneren Zustand der Beteiligten.

 

Der Ablauf

Ich lade Gesprächspartnerinnen und Gesprächspartner zu einem 60–90-minütigen, strukturierten Dialog ein. Die Gespräche finden zunächst in Düsseldorf statt.

Das Gespräch ist:

  • vertraulich
  • respektvoll
  • nicht öffentlich
  • ohne Schlagabtausch

Ich diskutiere nicht gegen Sie.
Ich bin neugierig und halte den Raum. Ich stelle nur Fragen.

Parallel entsteht Ihr fotografisches Porträt – ruhig, konzentriert, nah.
Die Photo-Kamera ist wesentlicher Teil des Dialogs.

Es geht nicht um Inszenierung.
Es geht um Präsenz, Ihre Präsenz.

Gesprächsstruktur

Es geht nicht um Wissensabfrage oder argumentatives Überzeugen, sondern um Ihre persönlichen Erfahrungen im Umgang mit Spannung, Unterschiedlichkeit und Entscheidungsdruck im gesellschaftlichen und politischen Raum.

Sie müssen sich nicht vorbereiten.

Es gibt keine richtigen oder falschen Antworten.

Im Mittelpunkt steht nicht Ihre politische Position, sondern der Moment, in dem sich innere Reaktionen zeigen – und sich möglicherweise verändern.

Wer teilnehmen mag

Das Projekt richtet sich an Bürgerinnen und Bürger – unabhängig von Parteipräferenzen.

Entscheidend ist nicht eine bestimmte Position oder Funktion, sondern die Bereitschaft zu einem  ernsthaften vertraulichen Gespräch. Ihr Temperament dürfen Sie dabei gerne zeigen.

Mandatsträger und Parteifunktionäre stehen dabei nicht im Mittelpunkt.

Veröffentlichung

Ausgewählte Porträts und Gesprächsauszüge werden sorgsam ausgewählt und kuratiert veröffentlicht (Ausstellung, Publikation, Diskursformate).

Veröffentlichungen erfolgen ausschließlich nach Ihrer persönlichen expliziten Zustimmung.

Sie behalten die Kontrolle über Ihre Darstellung.

Einladung

Wenn Sie Interesse daran haben, wie unsere Debattenkultur tragfähig bleiben kann, und wenn Sie bereit sind, sich in einem geschützten Rahmen auf ein solches Foto-Gespräch einzulassen, freue ich mich über Ihre Kontaktaufnahme über
                                                                                                              mark@schenk-net.de

Beispiel-Momente



So erleben die Teilnehmerinnen und Teilnehmer das Gespräch

Alale: „Mark Schenk kreiert eine sehr vertrauensvolle und offene Interviewatmosphäre, so dass man sich sehr gut vorbereitet und durchweg wohl fühlt beim Interview. Auch die Positionierung und Handhabung mit seiner Kamera erklärt er gleich zu Beginn des Interviews, so dass man den Prozess, in dem die Bilder parallel zum Gesprochenen entstehen, nicht als störend empfindet. Ich freue mich bei dem Projekt mitzuwirken!“

Magdalena„Das Gespräch mit Mark Schenk hatte mir so gut gefallen, weil ich einfach ich selbst sein konnte und ohne Vorwürfe oder Bewertungen meine Meinung erzählt habe. Es war für mich persönlich eine wichtige Erfahrung und kann es wirklich jedem nur weiterempfehlen!“

Noah: „Die Zusammenarbeit mit Mark war auf vielen Ebenen eine tolle Erfahrung und eine direkte Repräsentation dessen, wofür das Projekt steht: ein respektvolles, wertfreies Gespräch auf Augenhöhe, das mich nachhaltig zum Nachdenken gebracht hat. Besonders hängen geblieben ist für mich die Idee, Menschen zunächst als Menschen zu begegnen – vielleicht sogar mit Nähe und Offenheit – bevor man in politische Diskussionen geht. Insgesamt ein super spannendes Projekt, das Raum für unterschiedliche Meinungen und Perspektiven schafft.“

Hasan: „Das Gespräch mit Herrn Schenk habe ich als sehr vertrauensvoll und auf Augenhöhe erlebt, gleichzeitig mit der richtigen Prise Herausforderung. Überrascht hat mich, dass es im Nachgang noch nachhaltig in mir gearbeitet hat. Genau solche Gespräche wünsche ich mir, weil sie echte Entwicklung anstoßen können.“

Alex: „Du hast da etwas in mir in Bewegung gebracht – nicht mehr so sicher zu sein. Meine Gedanken waren nicht immer kausal, und das Gespräch war eine befreiende Erfahrung. Wenn einem Dinge so zurückgespiegelt werden wie von dir, dann sollte man die Größe haben, es auch so stehen zu lassen.“