Warum ich heute Dialogräume öffne

Ich bin in Hamburg aufgewachsen und lebe seit vielen Jahren in Düsseldorf. Mein beruflicher Weg führte mich nach dem Studium der Elektrotechnik zunächst in die Beratung von Unternehmen in Umbruch- und Entscheidungssituationen. Er brachte mich nach Düsseldorf, Berlin und München – und schließlich in den Vorstand der BAUER AG, wo ich Verantwortung für die Steuerung und die strategische Ausrichtung eines Konzerns mit 10.000 Mitarbeitenden trug.

Vom Handeln unter Druck

Seit 2011 arbeite ich als Restrukturierer (Interim-CEO/CRO). In Krisen steht man unter hohem Druck. Liquidität, Arbeitsplätze, Zeit – oft bleibt wenig Raum für Zögern. Als Restrukturierer habe ich gelernt, unter extremem Druck handlungsfähig zu bleiben. Zahlen schaffen dort Klarheit; Entscheidungen müssen getroffen werden. Klarheit ist in der Krise keine Haltung, sondern Voraussetzung.

Von der Zumutung der Demokratie

Die Politik hat mir eine andere Wirklichkeit gezeigt. Von 2020 bis 2025 war ich Mitglied des Düsseldorfer Stadtrats. Dort habe ich erfahren, dass demokratische Entscheidungen selten alternativlos sind – und genau deshalb Zumutungen darstellen: Sie verlangen von uns, Ambivalenz auszuhalten, widersprüchliche Interessen zu verbinden und Kompromisse zu schließen, die niemanden vollständig glücklich machen.

Hier geht es nicht um das Durchsetzen, sondern um das Aushalten. Es geht um die Pflege von Debattenräumen, in denen Fakten allein den Konflikt nicht lösen.

Souveränität beginnt im Inneren

Dieser Unterschied war für mich ein Wendepunkt. Ich habe verstanden: Demokratie lebt nicht nur von Institutionen, sondern von der inneren Haltung der Beteiligten. Als Bürger weiß ich heute: Verantwortung beginnt nicht „oben“. Der Souverän ist nicht der Staat – es sind wir.

Während unsere Wahlfreiheit gesetzlich garantiert ist, verlangt Wahlfähigkeit etwas anderes: eine innere Souveränität. Sie braucht Demut, die Fähigkeit zur Ambivalenz und die echte Bereitschaft, Verantwortung für das Ganze zu übernehmen.

Die Verbindung: Präsenz und Dialog

Seit meiner Jugend begleitet mich die Fotografie. Sie hat meinen Blick geschult – für Präsenz, für Zwischentöne, für den Moment zwischen Reaktion und Entscheidung. Heute verbinde ich diese Welten.

Mich interessiert weniger, wer recht hat. Mich interessiert, was im Menschen geschieht, wenn Gespräche eng werden – und wie sich Räume wieder öffnen lassen. Mit meinem Projekt „Wahlfähigkeit“ rücke ich genau diesen Moment ins Zentrum. Ich verstehe mich als Bürger dieser Stadt, der Verantwortung nicht nur in Ämtern sieht, sondern im ernsthaften Gespräch.